Maria-Euthymia-Preis 2013
in der Sparte Sport (Margarete Humpert) Reit- und Fahrverein Hiesfeld

Laudatio von Dr. Michael Heidinger

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Maria-Euthymia-Preis in der Sparte Sport geht in diesem Jahr an den Reit- und Fahrverein Dinslaken-Hiesfeld. Sie haben einige Vereinsmitglieder in ihrem Turnierdress sicher bereits entdeckt und sich Ihren Reim darauf machen können.

Der Reit- und Fahrverein hat eine lange Tradition. Schon Mitte der Zwanziger Jahre beteiligten sich Reitergruppen aus der Hiesfelder Bauernschaft an Veranstaltungen in den Nachbargemeinden Bruckhausen, Gahlen, Voerde, Sterkrade und Kirchhellen. Damals gab es noch keine Turniere, man traf sich zu Reiterfesten.

  • Es war auch kein Reitsport, so wie wir ihn heute kennen.

  • Die Pferde waren in der Landwirtschaft eingesetzt.

  • Ihre wertvolle Arbeitskraft für so nutzlose Dinge wie Dressur und Springen zu vergeuden, war damals undenkbar.

Zur Vereinsgründung kam es dann allerdings erst im Jahr 1947. Damals war das Rheinland ja noch unter britischer Besatzung und die musste erst einmal davon überzeugt werden, dass der neue Reitverein keine paramilitärische Einrichtung war und die künftigen Vorstandsmitglieder keine Nazi-Vergangenheit mit sich herumtrugen.

  • Nachdem dies alles geklärt werden konnte, hatte der Reitsport in Hiesfeld endlich den lang ersehnten Vereinsstatus,

  • die Aktivitäten konnten beginnen.

Durchaus fortschrittlich für die Adenauer-Jahre traten 1958 die ersten Frauen dem Verein bei. Neun Jahre später wurde die erste Frau in den Vorstand gewählt. Im gleichen Jahr 1967 pachtete man das Vereinsgelände und begann zwei Jahre später mit den Planungen für den Bau einer Reithalle.

Soweit, so gut.

Ein Sportverein geht seinen Weg, etabliert Turniere und beteiligt sich an Wettkämpfen, macht Nachwuchsarbeit und entwickelt sich auf seinem Gebiet zu einem Aushängeschild für die Stadt.

  • Doch dies machen alle anderen Sportvereine genau so.

  • Sie erfüllen ihren Vereinszweck, mit viel ehrenamtlichem Engagement, Herzblut und Leidenschaft.

Der Maria-Euthymia-Preis wird aber ausdrücklich für herausragendes und beispielhaftes ehrenamtliches Engagement vertreten. Und diese besondere Geschichte beginnt mit dem Bau der Reithalle im Jahr 1970. Schon damals machte sich der Vorstand Gedanken darüber, körperlich und geistig benachteiligten Menschen durch Reittherapie zu helfen.

  • In einem Vertrag mit dem ehemaligen Kreis Dinslaken wurde vereinbart, dass die Lebenshilfe für 20 Jahre kostenlos ein Therapiepferd unterstellen und die Reithalle kostenlos nutzen konnte.

  • Im Gegenzug erhielt der Reit- und Fahrverein einen Baukostenzuschuss von damals 25.000 DM.

Als diese zwanzigjährige Vertragsbindung dann auslief, entschied der Vorstand, das soziale Engagement des Vereins weiterzuführen. Auch ohne finanzielle Gegenleistung und wohl wissend, dass man damit wertvolle Hallenzeit auf eigene Rechnung für einen guten Zweck zur Verfügung stellte.

  • Heute ist die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft der Träger der Reittherapie.

  • Ihre Mitglieder profitieren vom weitsichtigen und ehrenhaften Engagement des Reit- und Fahrvereins, der so ein schönes und wertvolles Zeichen der Solidarität setzt.

  • Von daher freue ich mich, dass der Reit- und Fahrverein natürlich auch Vertreter der DMSG zur Preisverleihung eingeladen hat. Herzlich willkommen!

Ein weiteres soziales Engagement kam in den letzten Jahren dazu. Einmal im Jahr lädt der Verein zusammen mit den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des Friedensdorfs rund 30 Kinder zum Turnier ein und sorgt dafür, dass diese eine schönen Tag verbringen können.

Dieses soziale Engagement ist es, dass die Jury davon überzeugt hat, den Reit- und Fahrverein Dinslaken-Hiesfeld mit dem Ehrenamtspreis auszuzeichnen.

  • Ich darf Sie, Herr Spevacek, nun nach von bitten,

  • möchte dann aber auch noch einmal die offizielle Begründung der Jury zitieren:

„Ausgezeichnet wird der Reit- und Fahrverein Dinslaken-Hiesfeld e.V. für sein vorbildliches soziales Engagement. Nach seiner Gründung im Jahr 1947 bot der Verein den aktiven Reitsportinteressierten Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten, wobei mit dem Jahr 1958 schon vergleichsweise früh weibliche Mitglieder am Vereinsleben teilnahmen und mit Vorstandsaufgaben betraut wurden. Bereits 1970 mit dem Bau der Reithalle machte sich der damalige Vorstand Gedanken darüber, körperlich und geistig benachteiligten Menschen durch Reittherapie zu helfen. Dies wurde zunächst in Kooperation mit der „Lebenshilfe e.V.“ und dem Kreis Dinslaken organisiert. Seit 1990 steht die vereinseigene Reithalle einmal wöchentlich der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft, Ortsgruppe Dinslaken-Voerde, unentgeltlich zur Verfügung und ermöglicht so den Fortbestand des therapeutischen Reitens.

Darüber hinaus lädt der Verein einmal jährlich Kinder des Friedensdorfs zu einem Turnier ein, wobei diese von Ehrenamtlichen des Vereins und des Friedensdorfs betreut werden.

Der Reit- und Fahrverein Dinslaken-Hiesfeld verbindet so auf beispielhafte Weise die Freude an der sportlichen Betätigung mit dem sozialen Engagement und einem aktiven Stadtmarketing.“

 

Bereits im Jahre 1970 mit dem Bau unserer Reithalle machte sich der damalige Vorstand Gedanken darüber, körperlich und geistig benachteiligten Menschen durch Reittherapien zu helfen. Durch einen Vertrag mit dem ehemaligen Kreis Dinslaken wurde festgelegt, dass die “Lebenshilfe e.V.” für 20 Jahre kostenlos ein Therapiepferd unterstellen und die Reithalle kostenlos nutzen konnte. Im Gegenzug wurde dem Reitverein ein Baukostenzuschuss von 25.000,-- DM zur Verfügung gestellt.

Nach Ablauf der Frist von 20 Jahren im Jahre 1990 beschloss der Vorstand gegen manchen Wiederstand aus den Reihen der aktiven Reiter wegen der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeit der Reithalle durch unsere Aktiven, weiterhin die Halle Reittherapiegruppen zur kostenlosen Nutzung für therapeutisches Reiten zur Verfügung zu stellen.

Heute wird die Reithalle von der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Landesverband NRW e.V., Ortsgruppe Dinslaken, Voerde, Hünxe jeden Mittwoch morgen kostenlos zur Reittherapie genutzt.